KONZEPT  
 
   
 

Seit 2004 zelebrieren wir alljährlich im Februar in Anlehnung an das micromuseum ®-Konzept und parallel zum regulären Museumsbetrieb eine genre- und künsteübergreifende Veranstaltungswoche im Geiste und zu Ehren des weltberühmten Autors Erich Kästner.

Das Museumsfestival folgt jedes Jahr einem der 15 Piktogramme, mit denen der Künstler und Architekt Ruairí O'Brien das Konzept seines micromuseum ® bildhaft dargestellt hat. Nach Perfektion/Imperfektion, dargestellt mit dem Piktogramm des Monolithen aus dem Sciencefiction-Film „2001: Odyssee im Weltraum“, folgte die Zeitmaschine im Einsteinjahr 2005. 2006 widmeten wir uns anlässlich der 800-Jahrfeier Dresdens mit dem Trojanischen Pferd den vielfältigen kulturellen und kulturpolitischen Entwicklungspotentialen, im Jahr 2007 in Anlehnung an das Jahreshauptthema Stadt der Architektur dem Thema Konstruktion. Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008, anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft mit Florenz und des China-Jahres in Dresden wird mit dem Piktogramm Globalität die Vielfalt der Sprachen und Kulturen im Mittelpunkt der Veranstaltungswoche stehen.

Als Literaturmuseum mit internationalem Kulturbetrieb für alle Generationen ist uns die Beschäftigung mit den Ausformungen und dem Stellenwert von Sprache als Kommunikations-, Informations- und Kunstmittel ein ursächliches Anliegen. Die Debatten über den Zustand und die Zukunftsfähigkeit der deutschen Sprache im Zeitalter neuer weltweiter Kommunikationstechnologien und wirtschaftlicher sowie politischer Zusammenschlüsse reißen ebenso wenig ab wie die öffentliche Besorgnis über die fortschreitende Sprachverkümmerung bis hinein in die Medien.

Vom 22. bis 29. Februar 2008 bieten wir mit hochwertigen Unterhaltungs-programmen, einer themenspezifischen Ausstellung, Vorträgen, Lesungen, Filmen, künstlerischem Experiment und zeitgenössischen Dialog das 5. Erich Kästner Museumsfestival. Generationenübergreifende Bausteine beleuchten die Themenfelder Interkulturelle Kommunikation, die Furcht vor und die Sehnsucht nach dem Fremden, Identität durch Sprache, Sprachvermittlung,Sprachpolitik und Medienethik; siebieten einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in die Vielfalt der Sprachen und Kulturen.

Nach wie vor gehört Erich Kästner mit Übertragungen in mehr als 60 Sprachen zu den meist übersetzten deutschen Autoren. Mit seinen Büchern wird deutsches Kulturgut ins Ausland transportiert und der Dialog zwischen den Kulturen gefördert.

Das Festival wie auch die Erich Kästner Wanderausstellung Travelling micromuseum ® Exhibition, die im Anschluss an die Festtage in Florenz gezeigt wird, beleuchten neue Werkaspekte wie beispielsweise die Rezeption Kästnerscher Texte in Italien sowie Kästners Auseinandersetzung mit einschlägigen Werken der italienischen Literatur und deren Einfluss auf sein eigenes Schreiben. Zugleich sollen die Aktivitäten in Anlehnung an den „Scharfsprecher und Scharfschreiber“ Erich Kästner für einen verantwortungsvollen Gebrauch von Sprache und einen toleranten Umgang mit fremden Kulturen sensibilisieren.

Die Eröffnungsfeier am 22.2. im Jazzclub Neue Tonne ehrt Person und Werk Erich Kästners mit einem Liederzyklus des Musikers und Komponisten Philipp Riedel und der neuen Kabinettausstellung „Translations“, die unter anderem internationale Sprachlehrbücher aus der Privatbibliothek Erich Kästners zeigt.

Die Vortragsreihe „Sprachlandschaften“ (23.2.) präsentiert Beiträge von Germanisten der Hochschulen Urbino und Dresden, von Künstlern mit Migrationshintergrund sowie von Vertretern der Gesellschaft für deutsche Sprache und des Esperanto-Zentrums Dresden.

Am Sonntag (24.2.) findet der Dresdner Tag des internationalen Buches statt. Mit einem internationalen Büchertisch werden wichtige Autoren anderer Nationen vorgestellt; auf der Büchertauschbörse kann man mitgebrachte Bücher gegen fremdsprachige Literatur tauschen. Abends wird „Kästner international gelesen“ – auf Arabisch, Chinesisch, Englisch, Griechisch, Irisch, Italienisch, Japanisch und Koreanisch. Dazu gibt es für unsere Besucher kulinarische Spezialitäten aus verschiedenen Ländern.

Die cineastischen Bausteine richten sich an unterschiedliche Altersgruppen: Am Montag (25.2.) zeigen wir um 18 Uhr den Film „Ghettokids“ für junge Menschen ab 12 Jahren – ein vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilm über die fehlgeschlagene Integration ausländischer Jugendlicher im Hasenbergl München und über das Engagement von Lehrern und Sozialarbeitern, diesen Kindern aus dem sozialen Abseits zu helfen.

Die interkulturellen Unterschiede zwischen zwei Nationen und die Schwierigkeiten, sich in einer fremden Kulturwelt zu bewegen und zu kommunizieren, zeigt der preisgekrönte Film „Lost in Translation“ um 20 Uhr.

Der 26.2. ist Pasolinis dramatischer Verfilmung „Medea“ gewidmet. Der archaische Kult der Kolcherin Medea trifft auf die rationale pragmatische Welt des Helden Jason. Nachdem sich Jason von Medea trennt, tötet sie die Früchte dieser Verbindung – ihre Kinder. Der Medeamythos – schrecklich und grausam – beschreibt zugleich die Wucht und das Konfliktpotential zweier aufeinanderprallender Kulturen.

Der Workshop „Sprachlos“ am 28.2. bietet Schülern, Studenten der Sprach- Kommunikationswissenschaften die Möglichkeit, sich unter der Leitung des Architekten Ruairí O'Briens künstlerisch mit der Vielfalt der Sprachen und Kulturen auseinanderzusetzen. O'Briens Workshops forcieren interdisziplinäres Denken, sie sensibiliseren für die zahlreichen Schnittmengen verschiedener Künste und die Bedeutung spartenübergreifender Kulturaktionen.

Auch das wenig beleuchtete deutsch-deutsche Verhältnis ist ein wichtiger Aspekt des Themas „Vielfalt der Kulturen“. Konflikte und Spannungen, Wahrnehmungsbrüche zwischen Ost und West sowie die Asymmetrie des deutsch-deutschen Dialogs werden am Abend des 28.2. aufgegriffen und dargestellt. Der Dresdner Autor Wolfgang Hädecke bietet mit „Zwei Zungen – Eine Sprache? Ost-Westerfahrungen eines deutschen Schriftstellers“ eine sehr persönliche Annäherung an das Thema. Im Anschluss zeigen wir den Filmklassiker „Der Himmel über Berlin“ von Wim Wenders – ein poetischer Film über das Unvollkommene und Unfertige und eine sensible Inszenierung der „Kultur-Landschaften“ des ostdeutschen und des westdeutschen Berlins der 1980er Jahre.

Am 29.2. findet die Gründungsveranstaltung des Pinguin Pen statt. Der Kästner Kinderklub lädt Schüler der 2. bis zur 6. Klasse ein, Vorschläge für ein ganzjähriges Kinderprogramm im Museum einzubringen und umzusetzen. Im Anschluss an die Versammlung zeigen wir den Trickfilm-Klassiker „Die Konferenz der Tiere“ – eine kluge Fabel gegen den Krieg und für Völkerverständnis und Toleranz verschiedener Kulturen.

Als abschließender Höhepunkt liest die aus Kroatien stammenden Dichterin Marica Bodrožić aus ihrem viel beachteten Essayband Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern“ - ein sensibles Buch über die Erfahrungen einer Schriftstellerin ohne Sprache in einer neuen Kultur anzukommen und über die Sprache eine neue Heimat zu finden.

Konzept / Künstlerische Leitung: Ruairí O'Brien

 

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